Aus den Anfängen

Im Gründungsprotokoll vom Oktober 1902 schreibt der Verfasser Heinrich Benninger, Winterthur: 

«Um dem schönsten unserer nationalen Spiele, dem Ringen und Schwingen, in den Vereinen mehr Eingang zu verschaffen, und eben dazu befähigte Mitglieder derselben zu währschaften, geschulten und tüchtigen Kämpen zu erziehen, wurde von einem provisorischen Komitee auf den 5. Oktober 1902, nachmittags 2 Uhr, in die Krone Töss eine Versammlung von Freunden und Gönnern obiger Interessen eingeladen. »

Winterthur gliederte sich damals noch in verschiedene Gemeinden, nämlich Winterthur-Stadt, Winterthur-Grütli und die selbstständigen Vororte Töss, Veltheim, Oberwinterthur, Wülflingen und Seen.

Der Tagespräsident, Hugo Frick, Winterthur-Stadt, eröffnete die Versammlung und ging nach kurzer Erläuterung über den Zweck der Versammlung zur Tagesordnung über. Sofort wurde die Diskussion über das Thema eröffnet: 

«Kann die Gründung eines Schwingklubs für unsere Verhältnisse und für die schöne Schwingersache fördernd wirken oder nicht?»

Verschiedene alte Turner, so zum Beispiel Edi Briner, Winterthur, wie auch der Tössemer und nachmalige Stadtrat von Baden, Heinrich Hurter, traten für die Gründung ein, die auch von den anwesenden 33 Mannen einmütig beschlossen wurde. Diese Mannen sind es gewesen, welche den Grundstein für unseren heutigen Schwingklub Winterthur gelegt haben mit dem Treueschwur, die Interessen des jungen Klubs in bösen und guten Zeiten mit nie erlahmender Tatkraft, Freude und Liebe zu wahren.

Die an der Gründungsversammlung vom provisorischen Komitee vorgelegten Statuten wurden genehmigt und folgender erster Vorstand gewählt: Präsident Ernst Briner, Aktuar: Heinrich Benninger, Kassier: Hugo Frick, Beisitzer: Heinrich Hurter. Jede Woche war am Samstagabend Übungsstunde. An den Stadtturnverein Winterthur erging das Gesuch um Mitbenützung der Turnhalle im «Lind». Dem Gesuch wurde entsprochen. «Dem Stadtturnverein wird als Entgelt für die dem Schwingklub in wohlwollender Weise eingeräumte Mitbenützung des Samstagabends ein Betrag von 25 Franken zu Gunsten des Fahnenfonds überwiesen». An der ersten Hauptversammlung wurde der auch heute noch geltende Beschluss gefasst, dass die Vorstandsmitglieder beitragsfrei zu halten seien. Dem Kassier wurden für seine Bemühungen 20 Franken zugesprochen. Bereits im folgenden Jahr wurde beschlossen, auf dem Eschenberg ein Jahresschwinget durchzuführen.

Nachdem das Nordostschweizerische Schwingfest 1904 in Töss gut beschickt worden war, schrieb man dem Organisationskomitee vom NOS in Glarus, dass eine Beteiligung durch die Winterthurer Schwinger nur in Frage komme, wenn mindestens im Kampfgericht auch ein Winterthurer vertreten sei. Über eine entsprechende Antwort schweigt die Geschichte. Dem Jahresbericht 1906 entnehmen wir, dass bereits ein Kassasaldo von 405 Franken besteht und der Mitgliederbestand auf 34 Aktive und 89 Passive angewachsen ist. Das Vereinsschiff war nicht immer problemlos und einfach zu führen. Vor allem der Versammlungsbesuch liess vielfach zu wünschen übrig. Mit der Einführung von «Wurstmälern» nach der Versammlung konnte der Zustrom zeitweise stark erhöht werden. Der obligate Schüblig an der Generalversammlung ist bis in die heutige Zeit geblieben. «Mächtigviel essen, mächtig viel trinken, mächtig lustig sein» waren die grossen Eigenschaften dieser festlichen Anlässe.

In Bezug auf die Werbung waren der Vorstand und die Aktiven sehr einsatzfreudig. So kam es, dass an der Generalversammlung vom 18. Januar 1908 12 Passivmitglieder und 9 Aktive aufgenommen werden konnten. Eine wichtige Vorstandssitzung mit dem Stadtturnverein Winterthur erfolgte am 28. Januar 1908 im Restaurant «Wartmann». Das Hauptgeschäft lautete: Übernahme des Nordostschweizerischen Schwingfestes 1908. Der Klub fühlte sich für die Übernahme zu schwach und offerierte dem Stadtturnverein zwei Drittel des Reingewinnes. Der Präsident des Stadtturnvereins, Martin Ziegler, gab die Zustimmung zu dieser Offerte, und als Referent wurde Klaus Michel, Turnlehrer, gewonnen. Er vertrat unsere Sache an der NOS-Versammlung in der «Sonne» in Winterthur. Leider wurde der Nordostschweizerische Schwingertag 1908 Richterswil zuerkannt.

An der Vorstandssitzung vom 27. Februar 1908 proponierte Präsident Eduard Briner folgendes: Da sich in letzter Zeit sehr viele Aktive anmelden, denen man zum voraus ansieht, dass sie nicht über genügend Kräfte verfügen, welche zum Schwingen erforderlich sind, wird beantragt:

« Um als Aktivmitglied aufgenommen zu werden, muss ein Kandidat drei übungsstunden besucht haben. Am dritten Abend muss er unter Beiziehung eines Schwingleiters das Zentnergewicht fünfmal heben, und wenn er sich dann über genügend Körperkraft ausgewiesen hat, ist seine Aufnahme nicht mehr gefährdet.»

Das waren Prüfungen, die der Qualität des Klubs sicher nur nützen konnten. Mit grosser Freude registrierte man aus den Akten, dass nach der Einweihung des Schulhauses Heiligberg 1911 dem Schwingklub die Bewilligung zukam, die Schwinghalle zu benützen. Bedienung, Beleuchtung und Heizung sollten zu Lasten des Klubs fallen. 1912 feierte man in Form eines Wurstmahls in der «Gerwe» inTöss das zehnjährige Bestehen des Klubs. Otto lneichen und einige Kameraden hatten dafür zu sorgen, dass der erhaltene Kredit von 200 Franken «unterhaltlich und geniesserisch zu verwenden sei».

Einen energisch kurzen Beschluss fasste die Generalversammlung vom 26. August 1915, indem der kriegerischen Ereignisse wegen keine Demissionen von Vorstandsmitgliedern angenommen werden sollten. Nur für den abgereisten Kassier Ulrich Albert setzte die Versammlung Heinrich Angst an die verwaiste Stelle. Eine bemerkenswerte Versammlung war ebenfalls der Schwingstand vom 30. April 1916 auf der First bei Liebel Salzmann (Schwingerkönig 1919). Diese kleine Landsgemeinde, besucht von 50 Aktiven und 20 Passivmitgliedern in gottesfreier Natur, machte auf alle einen mächtigen Eindruck. Zur Behandlung der Geschäfte stand unter anderem auch die Aufnahme von 17 neuen Mitgliedern.

Zum zweiten Male wurde an einer ordentlichen Versammlung vom 29. Mai 1918 in der «Sonne» in Winterthur, bei Anwesenheit von Jean Wüest, Präsident des Nordost-schweizerischen Schwingerverbandes, die Frage der Übernahme des «Nordost-schweizerischen» diskutiert. Die allgemeine Diskussion fürchtete jedoch in den Zeiten des Krieges eine restlos befriedigende Durchführung, und das Resultat der Abstimmung war demnach auch negativ.

Dass schon damals die leitenden Organe des Schwingklubs es verstanden haben, bei allen Schichten der Bevölkerung Anerkennung zu finden, beweist die Tatsache, dass Carl Sulzer-Schmid, ein bekannter Industrieller und Politiker, 10 Anteilscheine für die Eidgenössische Schwingerhilfskasse zeichnete. Ein weiterer Beweis der guten Einvernahme mit den Organen des Kreisturnverbandes Winterthur und Umgebung zeigte sich darin, dass der Schwingklub dem Turnverband zur Ausschmückung des Ferienheimes Sternenberg ein Bild schenkte. 

Die Generalversammlung vom 9. März 1919 darf wohl zu einer der wichtigsten Tagungen des bald 20 jährigen Klubs gezählt werden. Als im Jahre 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, durfte, wie bereits erwähnt, kein Vorstandsmitglied die Segel streichen. Durchhalten hiess die Parole. Jetzt kam aber die Zeit des Vorstandswechsels. Jean Scheuble, der während 15 Jahren die Geschicke durch gute und schlechte Zeiten mit Energie und viel persönlicher Aufopferung gesteuert hatte, fand in Heinrich Angst einen würdigen Nachfolger, dem Oskar Madliger als guter und zuverlässiger Aktuar zur Seite stand. An der Generalversammlung vom 1. April 1920 im «Schönfels», Tössfeld, wurde ein Höchstmass an Aufnahmen verzeichnet, 25 Aktive und 22 Passivmitglieder traten dem Klub bei.

Als Folge der zunehmenden Arbeit im Klub wurden an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 14. Juli 1923 die Statuten revidiert und der Vorstand von bisher 5 auf 7 Mitglieder erhöht. 1924 fand auf der Schützenwiese ein Nordostschweizerisches Schwingfest statt. Nachdem die Versammlungen stets einen schwachen Besuch gezeigt hatten, wurden die Tagungen nun mit einer Metzgete verbunden. Das schlug ein, konnte doch am 31 . Januar 1925 der damalige Präsident Emil Irion 54 Mitglieder begrüssen.

1927 fand anlässlich des 25jährigen Bestehens des Klubs auf dem Sporrer ein Jubiläumsschwinget statt. Im Oktober wurde in der «Platte», Veltheim, unter dem Vorsitz von Oskar Madliger der eigentliche Jubiläumsakt durchgeführt.