Aus den Anfängen

Im Gründungsprotokoll vom Oktober 1902 schreibt der Verfasser Heinrich Benninger, Winterthur: 

«Um dem schönsten unserer nationalen Spiele, dem Ringen und Schwingen, in den Vereinen mehr Eingang zu verschaffen, und eben dazu befähigte Mitglieder derselben zu währschaften, geschulten und tüchtigen Kämpen zu erziehen, wurde von einem provisorischen Komitee auf den 5. Oktober 1902, nachmittags 2 Uhr, in die Krone Töss eine Versammlung von Freunden und Gönnern obiger Interessen eingeladen. »

Winterthur gliederte sich damals noch in verschiedene Gemeinden, nämlich Winterthur-Stadt, Winterthur-Grütli und die selbstständigen Vororte Töss, Veltheim, Oberwinterthur, Wülflingen und Seen.

Der Tagespräsident, Hugo Frick, Winterthur-Stadt, eröffnete die Versammlung und ging nach kurzer Erläuterung über den Zweck der Versammlung zur Tagesordnung über. Sofort wurde die Diskussion über das Thema eröffnet: 

«Kann die Gründung eines Schwingklubs für unsere Verhältnisse und für die schöne Schwingersache fördernd wirken oder nicht?»

Verschiedene alte Turner, so zum Beispiel Edi Briner, Winterthur, wie auch der Tössemer und nachmalige Stadtrat von Baden, Heinrich Hurter, traten für die Gründung ein, die auch von den anwesenden 33 Mannen einmütig beschlossen wurde. Diese Mannen sind es gewesen, welche den Grundstein für unseren heutigen Schwingklub Winterthur gelegt haben mit dem Treueschwur, die Interessen des jungen Klubs in bösen und guten Zeiten mit nie erlahmender Tatkraft, Freude und Liebe zu wahren.

Die an der Gründungsversammlung vom provisorischen Komitee vorgelegten Statuten wurden genehmigt und folgender erster Vorstand gewählt: Präsident Ernst Briner, Aktuar: Heinrich Benninger, Kassier: Hugo Frick, Beisitzer: Heinrich Hurter. Jede Woche war am Samstagabend Übungsstunde. An den Stadtturnverein Winterthur erging das Gesuch um Mitbenützung der Turnhalle im «Lind». Dem Gesuch wurde entsprochen. «Dem Stadtturnverein wird als Entgelt für die dem Schwingklub in wohlwollender Weise eingeräumte Mitbenützung des Samstagabends ein Betrag von 25 Franken zu Gunsten des Fahnenfonds überwiesen». An der ersten Hauptversammlung wurde der auch heute noch geltende Beschluss gefasst, dass die Vorstandsmitglieder beitragsfrei zu halten seien. Dem Kassier wurden für seine Bemühungen 20 Franken zugesprochen. Bereits im folgenden Jahr wurde beschlossen, auf dem Eschenberg ein Jahresschwinget durchzuführen.

Nachdem das Nordostschweizerische Schwingfest 1904 in Töss gut beschickt worden war, schrieb man dem Organisationskomitee vom NOS in Glarus, dass eine Beteiligung durch die Winterthurer Schwinger nur in Frage komme, wenn mindestens im Kampfgericht auch ein Winterthurer vertreten sei. Über eine entsprechende Antwort schweigt die Geschichte. Dem Jahresbericht 1906 entnehmen wir, dass bereits ein Kassasaldo von 405 Franken besteht und der Mitgliederbestand auf 34 Aktive und 89 Passive angewachsen ist. Das Vereinsschiff war nicht immer problemlos und einfach zu führen. Vor allem der Versammlungsbesuch liess vielfach zu wünschen übrig. Mit der Einführung von «Wurstmälern» nach der Versammlung konnte der Zustrom zeitweise stark erhöht werden. Der obligate Schüblig an der Generalversammlung ist bis in die heutige Zeit geblieben. «Mächtigviel essen, mächtig viel trinken, mächtig lustig sein» waren die grossen Eigenschaften dieser festlichen Anlässe.

In Bezug auf die Werbung waren der Vorstand und die Aktiven sehr einsatzfreudig. So kam es, dass an der Generalversammlung vom 18. Januar 1908 12 Passivmitglieder und 9 Aktive aufgenommen werden konnten. Eine wichtige Vorstandssitzung mit dem Stadtturnverein Winterthur erfolgte am 28. Januar 1908 im Restaurant «Wartmann». Das Hauptgeschäft lautete: Übernahme des Nordostschweizerischen Schwingfestes 1908. Der Klub fühlte sich für die Übernahme zu schwach und offerierte dem Stadtturnverein zwei Drittel des Reingewinnes. Der Präsident des Stadtturnvereins, Martin Ziegler, gab die Zustimmung zu dieser Offerte, und als Referent wurde Klaus Michel, Turnlehrer, gewonnen. Er vertrat unsere Sache an der NOS-Versammlung in der «Sonne» in Winterthur. Leider wurde der Nordostschweizerische Schwingertag 1908 Richterswil zuerkannt.

An der Vorstandssitzung vom 27. Februar 1908 proponierte Präsident Eduard Briner folgendes: Da sich in letzter Zeit sehr viele Aktive anmelden, denen man zum voraus ansieht, dass sie nicht über genügend Kräfte verfügen, welche zum Schwingen erforderlich sind, wird beantragt:

« Um als Aktivmitglied aufgenommen zu werden, muss ein Kandidat drei übungsstunden besucht haben. Am dritten Abend muss er unter Beiziehung eines Schwingleiters das Zentnergewicht fünfmal heben, und wenn er sich dann über genügend Körperkraft ausgewiesen hat, ist seine Aufnahme nicht mehr gefährdet.»

Das waren Prüfungen, die der Qualität des Klubs sicher nur nützen konnten. Mit grosser Freude registrierte man aus den Akten, dass nach der Einweihung des Schulhauses Heiligberg 1911 dem Schwingklub die Bewilligung zukam, die Schwinghalle zu benützen. Bedienung, Beleuchtung und Heizung sollten zu Lasten des Klubs fallen. 1912 feierte man in Form eines Wurstmahls in der «Gerwe» inTöss das zehnjährige Bestehen des Klubs. Otto lneichen und einige Kameraden hatten dafür zu sorgen, dass der erhaltene Kredit von 200 Franken «unterhaltlich und geniesserisch zu verwenden sei».

Einen energisch kurzen Beschluss fasste die Generalversammlung vom 26. August 1915, indem der kriegerischen Ereignisse wegen keine Demissionen von Vorstandsmitgliedern angenommen werden sollten. Nur für den abgereisten Kassier Ulrich Albert setzte die Versammlung Heinrich Angst an die verwaiste Stelle. Eine bemerkenswerte Versammlung war ebenfalls der Schwingstand vom 30. April 1916 auf der First bei Liebel Salzmann (Schwingerkönig 1919). Diese kleine Landsgemeinde, besucht von 50 Aktiven und 20 Passivmitgliedern in gottesfreier Natur, machte auf alle einen mächtigen Eindruck. Zur Behandlung der Geschäfte stand unter anderem auch die Aufnahme von 17 neuen Mitgliedern.

Zum zweiten Male wurde an einer ordentlichen Versammlung vom 29. Mai 1918 in der «Sonne» in Winterthur, bei Anwesenheit von Jean Wüest, Präsident des Nordost-schweizerischen Schwingerverbandes, die Frage der Übernahme des «Nordost-schweizerischen» diskutiert. Die allgemeine Diskussion fürchtete jedoch in den Zeiten des Krieges eine restlos befriedigende Durchführung, und das Resultat der Abstimmung war demnach auch negativ.

Dass schon damals die leitenden Organe des Schwingklubs es verstanden haben, bei allen Schichten der Bevölkerung Anerkennung zu finden, beweist die Tatsache, dass Carl Sulzer-Schmid, ein bekannter Industrieller und Politiker, 10 Anteilscheine für die Eidgenössische Schwingerhilfskasse zeichnete. Ein weiterer Beweis der guten Einvernahme mit den Organen des Kreisturnverbandes Winterthur und Umgebung zeigte sich darin, dass der Schwingklub dem Turnverband zur Ausschmückung des Ferienheimes Sternenberg ein Bild schenkte. 

Die Generalversammlung vom 9. März 1919 darf wohl zu einer der wichtigsten Tagungen des bald 20 jährigen Klubs gezählt werden. Als im Jahre 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, durfte, wie bereits erwähnt, kein Vorstandsmitglied die Segel streichen. Durchhalten hiess die Parole. Jetzt kam aber die Zeit des Vorstandswechsels. Jean Scheuble, der während 15 Jahren die Geschicke durch gute und schlechte Zeiten mit Energie und viel persönlicher Aufopferung gesteuert hatte, fand in Heinrich Angst einen würdigen Nachfolger, dem Oskar Madliger als guter und zuverlässiger Aktuar zur Seite stand. An der Generalversammlung vom 1. April 1920 im «Schönfels», Tössfeld, wurde ein Höchstmass an Aufnahmen verzeichnet, 25 Aktive und 22 Passivmitglieder traten dem Klub bei.

Als Folge der zunehmenden Arbeit im Klub wurden an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 14. Juli 1923 die Statuten revidiert und der Vorstand von bisher 5 auf 7 Mitglieder erhöht. 1924 fand auf der Schützenwiese ein Nordostschweizerisches Schwingfest statt. Nachdem die Versammlungen stets einen schwachen Besuch gezeigt hatten, wurden die Tagungen nun mit einer Metzgete verbunden. Das schlug ein, konnte doch am 31 . Januar 1925 der damalige Präsident Emil Irion 54 Mitglieder begrüssen.

1927 fand anlässlich des 25jährigen Bestehens des Klubs auf dem Sporrer ein Jubiläumsschwinget statt. Im Oktober wurde in der «Platte», Veltheim, unter dem Vorsitz von Oskar Madliger der eigentliche Jubiläumsakt durchgeführt.

Auf dem Weg zum goldenen Fest

1928 fasste eine Vertrauensmännerversammlung folgenden Beschluss:«Nachdem der Turnverein Seen eine günstige Offerte nicht akzeptieren kann, wird der Kantonale Schwingertag 1929 auf eigene Rechnung übernommen. »

Dieser Anlass nahm einen flotten Verlauf mit Adolf Suter sen. als OK-Präsident. Nun begann eine ruhige Zeit, bis dann 1933 in Verbindung mit dem Turnverein Veltheim die Anmeldung zur Durchführung des Ausstichs für das Eidgenössische Schwingfest in Bern erfolgte. Teilung von Überschuss oder Defizit zu je 50 Prozent. Mit einem blauen Auge kamen beide Veranstalter noch davon: Defizit 100 Franken.

1934 erstellte die Stadt eine Duschenanlage im Schulhaus Heiligberg. Daran leistete der Schwingklub Winterthur einen Beitrag von 1000 Franken; damals ein schöner Batzen. Der damalige Vorstand legte grossen Wert auf die Werbetätigkeit. Für 5 neue Mitglieder wurde das silberne und für 10 neue Mitglieder das goldene Klubabzeichen verabreicht. So konnten 1936 auf einen „Chlapf‘ 162 neue Mitglieder aufgenommen werden; Tori Segmüller warb allein deren 67.

Erstmals stellte Gusti Schmid an der Vorstandssitzung vom 18. Januar 1938 den mutigen Antrag, das Eidgenössische Schwingfest 1940, eventuell 1944, zu übernehmen. Dem wurde jedoch nicht entsprochen.

Die Kriegsjahre 1939 bis 1945 konnten verhältnismässig gut durchgebracht werden. An Jahresschwinget, kantonalen und Nordostschweizerischen Schwingertagen durften Erfolge registriert werden. Einen glücklichen Verlauf nahm auch der kantonale Schwingertag 1944 unter der Obhut von Hans Salzmann. Nach zweimaliger Verschiebung blieben dem Klub doch noch 2500 Franken als Reingewinn.

Der Gedanke zur Übernahme eines Eidgenössischen Schwing- und Älpierfestes verschwand nie so richtig. Einmal sollte es doch gelingen. So stand die WinterthurerAnmeldung an der Abgeordnetenversammlung vom 10. und 11. März 1951 in Chur in Konkurrenz mit St. Gallen und dem Glatt- und Limmattal-Turnverband. In meisterlicher Weise verstand es Fritz Hagmann, die Delegierten zu überzeugen, so dass Winterthur in der Abstimmung im ersten Wahlgang mit 75 Stimmen als Festort für 1953 erkoren wurde. Diese Wahl löste in der gesamten Bevölkerung Winterthurs mächtige Begeisterung und Freude aus. Wahrlich, ein schöneres Geschenk hätte der Eidgenössische Schwingerverband unserem Klub zum 50 jährigen Bestehen nicht in den Schoss legen können.

Die am 6. September 1950 bestimmte Kommission, bestehend aus Gusti Schmid, Fritz Hagmann, Anton Segmüller Hans Wegmüller und Arthur Graber, welche die Aufgabe erhalten hatte, alles zu lösen, von der Anmeldung bis zur Zuteilung, fand in allen Teilen den richtigen Weg. In einer erweiterten Vorstandssitzung vom 20. März 1952 fiel der Beschluss, auch die Eidgenössische Abgeordnetenversammlung 1953 zu übernehmen. Nachdem von der bestellten Kommission die Vorschläge für das Organisationskomitee vorbereitet worden waren und an einer von Dr. Ernst Durtschi einberufenen «unverbindlichen» Sitzung ebenfalls über die ganze Angelegenheit gesprochen worden war, konnte an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 10. Mai 1952 im «Frohsinn» in Wülflingen zur offiziellen Bestätigung der vorgeschlagenen Komiteemitglieder geschritten werden. Durch Erheben von den Sitzen wurde Dr. Ernst Durtschi zum Präsidenten des Organisationskomitees für das Eidgenössische Schwing- und ÄlpIerfest 1953 gewählt.

Mit bewunderungswürdiger Raschheit konnte das nötige Garantiekapital von 30 000 Franken von Freunden des Schwingklubs gedeckt werden.

Am 11. Oktober 1952 feierte der Schwingklub Winterthur im «Wartmann»-Saal das 5ojährige Bestehen. Grosse Freude bereitete der Festgemeinde das Gründungsmitglied Albert Mäder, der den Verlauf derTaufe und die folgenden Jahre schildern konnte. Unvergesslich bleibt das Wochenende vom 8. und 9. August 1953, an welchem das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Winterthur so gut verlaufen war. Schwingerkönig wurde Walter Flach, und auch Erwin Glaus durfte das Eichenlaub in Empfang nehmen.

Am 20. Januar 1954 verstarb der letzte Gründer des Schwingklubs Winterthur, Ehrenmitglied Albert Mäder, Landquart. Am NOS 1954 in Küsnacht wurde unser Klub von einem schweren Schicksalsschlag getroffen. Der 24jährige Aktive Albert Weilenmann verunfallte schwer und verstarb zwei Tage später.

Der kantonale Schwingertag 1958 wurde der Veteranengruppe Winterthur übertragen mit der Bestimmung, dass 80 Prozent des Reingewinnes der Veteranengruppe und 20 Prozent dem Aktivklub zufallen sollen. Als OK-Präsident amtete wieder Ehrenmitglied Dr. Ernst Durtschi. Am Eidgenössischen Schwingfest 1961 in Zug konnten wir mit Stolz Karl Meli als Schwingerkönig feiern.

An der NOS-Delegiertenversammlung 1962 wurde dem Schwingklub Winterthur die Durchführung des Schwingertages 1962 übertragen. Als OK-Präsident stellte sich in verdankenswerter Weise Professor Dr. Ernst Durtschi zur Verfügung. Die Schlussabrechnung ergab den erfreulichen Überschuss von 17217 Franken.

Einen weiteren Höhepunkt erlebte der Schwingklub anlässlich des Eidgenössischen Schwingfestes 1964 in Aarau. Karl Meli wurde zum zweiten Mal als Schwingerkönig ausgerufen.
1965 ist die Mitgliederzahl erstmals auf über 500 angewachsen. 1966 stand ganz im Zeichen des Eidgenössischen Schwingfestes in Frauenfeld. Gerne hätten wir Karl Meli den dritten Siegeskranz gegönnt, doch es sollte nicht sein. Kari unterlag im Schlussgang dem Berner Ruedi Hunsperger.

1967 organisierte der Schwingklub Winterthur, unter der Leitung von Professor Dr. Ernst Durtschi, den Kantonalen Schwingertag. Das finanzielle Ergebnis mit 17500 Franken Überschuss konnte sich sehen lassen.
Die Stadt Winterthur entsprach unserem langjährigen Wunsch nach Vergrösserung unserer Schwinghütte auf dem Deutweg.

An der Generalversammlung vom 26. Januar 1969 wurden die Statuten revidiert und ersetzten diejenigen vom Mai 1940.

Am 6. September 1970 führte der Klub erstmals eine Reise mit 135 Teilnehmern durch. Die Rheinschiffahrt mit anschliessender origineller Rösslifahrt durch die Rebberge von Hallau fand allgemein Begeisterung.
Auf Beschluss der Generalversammlung vom 13. Februar 1972 beteiligte sich der Schwingklub Winterthur, aus Solidarität mit anderen Vereinen, an der Aktienzeichnung für die Eulachhalle mit 5000 Franken. Auf die Benützungskonditionen der Halle hatte dieses Engagement jedoch leider keinen positiven Einfluss. Im gleichen Jahr verschied im Alter von 79 Jahren unser mehrfacher OK-Präsident, Freund und Förderer des Schwingens und Eidgenössisches Ehrenmitglied, Prof. Dr. Ernst Durtschi.

Weil der Schwingklub Zürich am 9. September 1973 den Kilchberger-Schwinget organisierte, verzichteten die Stadtzürcher auf das Kantonale Schwingfest 1974. An deren Stelle sprang der Schwingklub Winterthur in die Bresche und übernahm unter dem Vorsitz von Stadtrat Dr. Othmar Hüssy die Durchführung des Kantonal-Schwingfestes. Leider entsprach der Publikumsaufmarsch nicht den Erwartungen, weshalb der finanzielle Erfolg auch nicht nach Wunsch ausfiel. Die Vorbereitungen und der Auf-und Abbau des Festplatzes schweissten jedoch die Mitglieder des Schwingklubs fest zusammen. Noch nach Jahren wurden lustige Episoden aus diesen Tagen erzählt.

Dass Freud und Leid nahe beisammen sein können, mussten die Mitglieder des Schwingklubs erfahren, als es galt, im selben Jahr noch vom unvergesslichen Fritz Hagmann Abschied zu nehmen.

Zum Abschluss der Schwingersaison 1974 organisierte der Schwingklub erstmals einen Buebeschwinget auf dem Eschenberg mit einer Beteiligung von 40 Nachwuchsschwingern.

An der Generalversammlung 1976 meldete der Präsident, dass dank einer gezielten Werbetätigkeit die Traumgrenze von 1000 Mitgliedern überschritten wurde. Ein Hoch, das leider nicht all zu lange anhielt.

Unsere Wünsche um Vergrösserung und Umstellung der Schwinghalle Deutweg auf Ganzjahresbetrieb wurden von der Stadt Winterthur beim Gesamtumbau des Sportplatzes nicht bewilligt und erst später verwirklicht Nicht nur die Vorstandsmitglieder des Schwingklubs Winterthur bewiesen in den ersten 75 Jahren eine grosse Treue zu ihren gestellten Aufgaben, sondern auch die Stammlokale wurden nur selten gewechselt. Aus der Überlieferung weiss man, dass das Restaurant «Reh» zweimal Stammlokal war. Dazwischen genoss man im «Trübli» kurze Zeit Gastrecht. Anfangs der 50iger Jahre übersiedelte man an den Oberen Graben ins «Schäfli». Auch der «Irchelhof» war ein Treffpunkt für die Schwinger. In den späteren Jahren war es dann üblich, verschiedene Wirte, die als schwingerfreundlich galten, zu berücksichtigen.

 

Mit grossen Schritten zum 100jährigen

Nachdem der Schwingklub Winterthur 1977 mit Noldi Ehrensberger einen weiteren Schwingerkönig aus den eigenen Reihen feiern durfte, konnte 1978 bereits ein neuer Höhepunkt verzeichnet werden. In Frauenfeld wurde Jörg Plüss als Sieger des Nordostschweizer Schwingertages ausgerufen. Im selben Jahr beendete Karl Meli seine Aktivkarriere nach dem Kilchberger-Schwinget und wurde vom Schwingklub zum Ehrenmitglied ernannt. 

1979 trat Walter Grossenbacher aus dem Vorstand des Zürcher Kantonalen Schwingerverbandes zurück. Als seinen Nachfolger wählte man Kurt Glaus, der das Amt des Protokollführer- und Vizepräsidenten übernahm. Auch beim NOS-Vorstand trat ein Winterthurer zurück, nämlich Ehrenmitglied Werner Dietiker. Am Eidgenössischen Schwingfest 1980 in St. Gallen konnte Schwingerkönig Noldi Ehrensberger seinen Titel nicht verteidigen, nahm jedoch seinen dritten Eidgenössischen Kranz mit nach Hause. Jörg Plüss kämpfte gegen Ernest Schläfli um das begehrte eidgenössische Eichenlaub und verlor unglücklich. 

Bei einem Scheunenbrand auf dem Eschenberg im Frühjahr 1982 wurde das ganze unversicherte Mobiliar des Schwingklub Winterthur ein Raub der Flammen. In einer Blitzaktion konnte jedoch fast alles wieder beschafft werden. Dieses war sehr erfreulich, denn vieles von dem verloren gegangen Material wurde für den im selben Jahr vom Schwingklub Winterthur organisierten Zürcher Kantonalen Schwingertag auf der Schützenwiese gebraucht. Das Schwingfest war sehr gut organisiert und auch das Wetter stimmte. Leider stiess der attraktive Unterhaltungsabend jedoch bei der Bevölkerung auf ein geringes Echo. 

1983 feierte der Schwingklub Winterthur wieder zwei Eidgenössische Kranzschwinger aus den eigenen Reihen. Noldi Ehrensberger und Jörg Schneider kehrten mit Eichenlaub geschmückt aus Langenthal zurück. Mit diesem eidgenössischen Fest endete auch die Aktiv-Karriere von Noldi Ehrensberger. 

Neben dem eidgenössischen Kranz ist sicher die Eidgenössische Ehrenmitgliedschaft ein Höhepunkt in der Schwingerkarriere. Werner Dietiker durfte 1984 diese Ehrung in Empfang nehmen. Der Schwingklub beteiligte sich in diesem Sommer am Festumzugdes Eidgenössischen Turnfestes in Winterthur. Im November, anlässlich der Winterthurer Messe, trat der Schwingklub wieder einmal gross an die Öffentlichkeit. Der Aufwand wurde von der Bevölkerung honoriert und es gab grossen Andrang bei den Autogrammstunden von Karl Meli und Noldi Ehrensberger. Auch die Schwingdemonstationen wurden gut besucht.

An der kantonalen Delegiertenversammlung 1986 wurde der Vorschlag des Kantonalvorstandes, der die Durchführung der Buebeschwinget stark eingeschränkt hätte, durch den Schwingklub Winterthur zu Fall gebracht und damit auch die Zukunft des G irenbad-Buebenschwinget gesichert. In diesem Jahr vertrat Bruno Ehrensberger den Schwingklub Winterthur am Eidgenössischen Schwingfest in Sitten. 1987 wurde Kurt Glaus zum Präsidenten des Zürcher Kantonalen Schwingerverbandes gewählt. 1988 führt der Schwingklub Winterthur zusammen mit dem Turnverein und der Männerriege Elgg den Nordostschweizer Schwingertag in Elgg durch. Trotz guter Vorarbeit kamen nicht so viele Zuschauer wie erwartet und deshalb war das finanzielle Ergebnis auch eher dürftig, aber das Erlebnis war gross. Das seit vielen Jahren wieder einmal gemeinsam mit einem anderen Verein durchgeführte Fest war für beide Seiten erfreulich und brachte viel Erfahrung für weitere Anlässe.

Ab 1989 war der Schwingklub Winterthur durch Kurt Glaus und Jörg Plüss im Vorstand des Zürcher Kantonalen Schwingerverbands gleich doppelt vertreten. Zum Eidgenössischen Schwingfest nach Stans reisten Thomas Blatter, Bruno Ehrensberger und Karl Meli jun. Eine von Edith und Markus Speich organisierte Reise führte den Vorstand samt Partnerinnen für zwei Tage ins Engadin und brachte wieder einiges für die Anekdotensammler. Der Zürcher Kantonale Schwingerverband erhöhte seinen Jahresbeitrag trotz des erheblichen Vermögens und arbeitete eine Statutenrevision aus. Der Vorstand des Schwingklubs Winterthur nahm sich die Mühe, diese Revision genau unter die Lupe zu nehmen und machte verschiedene wegweisende Vorschläge. Dies wurde vom Kantonalpräsidenten nicht goutiert. 

Der Schwingklub entschloss sich 1990, seine Aktivmitglieder einheitlich einzukleiden, und Peter Hofmann besorgte moderne Klub-Trainingsanzüge. Im selben Jahr erwarb der Klub einen alten WC-Wagen, welcher in vielen Fronstunden von Bernhard Altorfer, Bruno Ehrensberger und einigen Helfern renoviert und funktionstüchtig gemacht wurde. Der WC-Wagen wird fortan beim Eschenbergschwinget benützt, aber auch an Vereine von Winterthur und Umgebung vermietet, was dem Schwingklub jährlich einen schönen Batzen einbringt. Kurt Glaus wurde Aktuar im Vorstand des NOS-Verbandes. Gemeinsam mit dem Turnverein Pfungen war der Schwingklub Winterthur in diesem Jahr Organisator des Zürcher Kantonalen Schwingfestes. Der Anlass konnte bei schönstem Sommerwetter abgehalten werden. Leider war auch hier wieder der Zuschaueraufmarsch gering und auch am Unterhaltungsabend fehlte das Publikum. Dafür brillierten die Aktiven mit fünf Kränzen. Am Kilchberger-Schwinget ist Karl Meli jun. auf dem ausgezeichneten 6. Rang zu finden. 

Wie üblich ist derjenige Schwingklub, der den Kantonalen Anlass durchgeführt hat, im folgenden Jahr Gastgeber für den Kantonalen Jungschwingertag. Dieser konnte 1991 erst im dritten Anlauf auf dem Eschenberg abgehalten werden. Leider fehlte es auch beim Jungschwingertag an Publikum. Um das Training attraktiver gestalten zu können, passte sich der Schwingklub Winterthur den Bedürfnissen der Aktiven an und eröffnete in den Katakomben des Deutweg-Stadions einen Kraftraum. Sorgen bereitete aber die kontinuierlich zurückgehende Zahl der Jungschwinger. Deshalb stellte sich der Schwingklub in der Eulachhalle und im Zentrum Rosenberg der Bevölkerung vor. Leider brachten diese Anlässe keinen Erfolg punkto Nachwuchs. Karl Meli jun. gewann den NOS-Schwingertag in Buchs. Infolge vermehrter beruflicher Tätigkeit im Ausland, gab Klubpräsident Markus Speich das Ruder an Willi Breu weiter. 

Für das eidgenössische Schwingfest 1992 in Olten qualifizierten sich Rolf Lussi und Thomas Blatter. Unser ehemaliges Aktivmitglied Jörg Schneider unterlag im Schlussgang dem Berner Silvio Rüfenacht. Der Schwingklub Winterthur feierte sein 90 jähriges Jubiläum mit einem tollen Fest im Hotel Zentrum Töss. Anschliessend an die Generalversammlung veranstaltete man ein Bankett mit Rahmenprogramm. 1993 organisierte Ehrenmitglied Bruno Böckli ein Trainingslager im Toggenburg. Kurt Glaus trat als Präsiden des Zürcher Kantonalen Schwingerverbandes zurück. Der Schwingklub Winterthur liess für Aktivmitglieder und Fans einen dunkelblauen Pullover mit dem Schwingklub Emblem anfertigen. Monika und Rolf Lussi führten den Klubvorstand mit Partnerinner auf eine zweitägige Reise in die Westschweiz. 1994 übernahm Kurt Glaus im NOS-Verband das Amt des Vizepräsidenten. Im selben Jahr entschloss sich der Klubvorstand wieder einmal eine eigene Klubzeitschrift herauszugeben. Das Redaktions-Team bestand aus Willi Breu, Rolf Lussi und Christina Ehrensberger. Im November erschien die erste Auflage. An der Generalversammlung vom 5. November im Restaurant Sonne in Seen wurde bekannt, dass sich das Klubvermögen erstmals auf über 100000 Franken beläuft. Kurt Glaus reichte beim Zürcher Kantonalen Schwingerverband seinen Rücktritt als Präsident ein. Dadurch verlor der Schwingklub Winterthur seine Zweiervertretung. 

Für den 8. Januar 1995 organisierte der Schwingklub Winterthur die NOS-Delegiertenversammlung in der Wisenthalle in Wiesendangen. OK-Präsident dieses für alle Beteiligten gut gelungenen Anlasses war Markus Speich. Am Eidgenössischen Schwingfest in Chur nahmen Thomas Blatter und Urs Truninger teil. Winterthur wurde als ehemaliger Austragungsort eines Eidgenössischen in Schaufenstern und beim Festumzug vorgestellt, Kurt Glaus wurde die Organisation des Umzugteils „NOS“ zugewiesen. Willi Breu gibt sein Amt als Präsident wegen Auswanderung nach Australien an Rolf Lussi weiter. Und wieder einmal ist der Schwingklub Winterthur an der Winterthurer Messe vertreten. An einer Talkshow nahmen die Schwingerkönige Karl Meli, Noldi Ehrensberger und Ernst Schläpfer teil. Der vierte und amtierende Schwingerkönig Thomas Sutter sagte leider ab. 

Das Jahr 1996 wurde durch zwei Todesfälle ehemaliger Präsidenten überschattet. Walter Grossenbacher stirbt während einer Operation und Erwin Glaus erliegt seinen Altersbeschwerden. Mit diesen zwei geehrten Mitgliedern wurde ein grosses Stück Klubgeschichte zu Grabe getragen. 1996 ist auch wieder das Jahr des Kilchberger-Schwingets. Leider war kein Aktiv-Mitglied des Schwingklubs Winterthur dabei. Am Klubschwinget 1997 nahmen befreundete Schwinger des Schwingklubs Baselstadt teil. Sieger wurde Rolf Klarer. Der Eschenbergschwinget konnte wegen Schnee und Regen einmal mehr erst im dritten Anlauf abgehalten werden. 

1998 war wiederum der Schwingklub Winterthur an der Reihe, den Zürcher Kantonalen Schwingertag durchzuführen. Im Turnverein Seuzach fand er einen kompetenten Partner und das Schwingfest in Seuzach wurde ein grosser Erfolg. Das langjährige Aktivmitglied des Schwingklubs Winterthur, Jörg Schneider, verstirbt. Ein weiteres Stück Klubgeschichte verlieren wir mit dem Tod unseres ehemaligen, langjährigen Präsidenten Hans Wegmüller. Am Eidgenössischen Schwingfest in Bern konnte Thomas Blatter teilnehmen. Zum ersten Mal fand der Klubschwinget nicht wie üblich anfangs Jahr im Schwingkeller, sondern im Oktober auf dem Hof von Sandra und Hermann Peter statt. Wie schon früher bewiesen, verstanden es die Beiden ausgezeichnet, den Gästen ein gemütliches Umfeld zu bieten, und das Fest dauerte bis Mitternacht. Thomas Reichmuth löste Jörg Plüss als Vorstandsmitglied des Zürcher Kantonalen Schwingerverbandes ab. 

Den Kantonalen Jungschwingertag 1999 organisierte der Schwingklub Winterthur in Elsau. Es war ein sehr heisser Tag. Ob wohl deshalb der Zuschaueraufmarsch ausblieb? 

Am Organisationskomitee kann es nicht gelegen haben. Dieses hatte sich zusammen mit dem Feuerwehrverein Elsau alle erdenkliche Mühe gegeben. Wieder einmal machte sich der Vorstand mit Anhang auf eine Reise. Das von Elke und Andreas Truninger ausgesuchte Ziel war der Schwarzwald. Der Klubschwinget durfte auf dem Hof der Familie Bieri in Rikon ausgetragen werden. Auch dieser zweite auswärtige Anlass war eine gemütliche Angelegenheit, wenn auch leider der Zuschaueraufmarsch zu wünschen übrig liess. 

Im Jahr 2000 wurden der Vorstand und die Ehrenmitglieder zu einer Aussprache über die Durchführung eines Jubiläumsanlasses zum 100-Jahr-Jubiläum des Schwingklubs Winterthur eingeladen. Die Wenigen, die erschienen, beschlossen, die Durchführung eines NOS- Schwingertages zu prüfen und unabhängig davon einen Jubiläumsanlass im Herbst 2002 zu organisieren. Kurt Glaus beendete seine Tätigkeit im NOS-Vorstand. Gastgeber des Klubschwinget waren Elke und Andreas Truninger im Thurtal. Am 4. November fand im Gemeindesaal von Altikon ein Helferfest statt als Dank an diejenigen, die sich jeweils selbstverständlich mit ihrer Arbeitskraft an verschiedenen Anlässen zur Verfügung stellen. Die Generalversammlung gab die Zustimmung für die Durchführung des Nordostschweizer Schwingertages 2002 in Winterthur.

Das Jahr 2001 wurde gleich zu Beginn durch einen tragischen tödlichen Arbeitsunfall von Ehrenmitglied Hermann Peter überschattet. Die NOS-Delegiertenversammlung in Amriswil wählte einstimmig Winterthur als Austragungsort für das NOS 2002. Kurt Glaus, der sich über Jahrzehnte hinweg für das Schwingen einsetzte, wurde am 4. März zum Eidgenössischen Ehrenmitglied ernannt. Thomas Blatter qualifizierte sich ein weiteres Mal für die Teilnahme am Eidgenössischen und konnte in Nyon erstmals alle acht Gänge bestreiten. Auch Andreas Bieri durfte teilnehmen, beendete das Fest aber bereits am Samstag. Einen Schatten auf das Fest warf die erstmalige Sperre eines Schwingers wegen Dopingvergehens. Der Klubschwinget wurde in diesem Jahr in Wülflingen auf dem Radhof-Areal des Schwingerfreundes Ruedi Meier durchgeführt. Das Schwingen war eher nebensächlich, dafür liess man der Festwirtschaft bis Mitternacht alle Ehre zukommen. Anlässlich der Generalversammlung wurde mit Christina Ehrensberger erstmals in der Klubgschichte eine Frau zum Ehrenmitglied ernannt.

Unsere 3 Schwingerkönige

Karl Meli Noldi Ehrensberger Walter Flach +2006

 

Walter Flach + 2006

Walter Flach wurde 1928 in Pfungen geboren und besuchte dort auch die Schule. Der kräftig gebaute Jüngling erlernte den Beruf eines Zimmermanns, und zwar bei Ehrenmitglied Fritz Hagmann. Angespornt durch die damaligen grossen Erfolge seines Lehrmeisters, bekundete Walter Flach grosses Interesse für das Schwingen. Durch fleissiges Training im Schwingklub Winterthur wurde er bald einer der besten Schwinger in der Schweiz. Der Pfungener war 13 Jahre aktiv. An zahlreichen Kantonal-, Berg- und NOS-Schwingfesten wurde er zum Sieger ausgerufen.

Seine wohl schönsten Erfolge sollen stichwortartig festgehalten werden:

Am Kilchberger-Schwinget 1952 gewann er den Schlussgang gegen den Oberaargauer Sennen Hans Kopp. Ein Jahr später, am Eidgenössischen Schwingfest in Winterthur, stiess er wieder bis in den Schlussgang vor, wo dann der starke Gottfried Haueter «dran glauben» musste.

Nach der Aufgabe des Wettkampfsportes war er noch während zweier Jahre als Kampfrichter auf verschiedenen Wettkampfplätzen anzutreffen.

 

Karl Meli

Karl Meli wurde 1938 in Veltheim geboren. Er erlernte den Zimmermannsberuf. Hernach trat in die Forstverwaltung Winterthur ein. Später wurde er ins städt. Polizeikorps aufgenommen. Heute ist er als selbstständiger Gastwirt tätig.

Während seiner Aktivzeit erkämpfte sich Karl 124 Kränze und viele Auszeichnung. Von allen 9 besuchten Eidgenössischen Schwingfesten kehrte er mit dem begehrten Eichenlaub nach Hause. Zweimal reichte es ihm zum Schwingerkönig: 1961 in Zug gegen Karl Oberholzer im Schlussgang. Drei Jahre später bodigte er in Aarau Alois Boog. Ebenso viele Male ging er als Sieger am Kilchberger Schwinget hervor: 1967 gegen Ady Zurfluh und 1973 gegen Christian Eggler. Am Jubi­läumsschwingfest 1970 in Baden entschied Karl Meli den Schlussgang gegen Marcel Buser zu seinen Gunsten und wurde vielbejubelter Sieger. Denselben Sieger gab es auch 1976 beim Jubiläumsschwinget in Murten, wo Franz Schatt im Endkampf die Überlegenheit des Winterthurers neidlos anerkennen musste. Mit der Teilnahme am Kilchberger-Schwinget 1978 beendete Karl Meli seine Schwingerlaufbahn. Als technischer Leiter des Schwingklubs Winterthur sowie als Kursleiter in der ganzen Schweiz gab er sein Wissen gerne an den Nachwuchs weiter.

Nebst dem Schwingen war Karl Meli auch viele Jahre Aktivmitglied im Turnverein Veltheim.Im Lager der Nationalturner galt er als ernsthafter Siegesanwärter. Nicht weniger als 46-mal wurde er in dieser Sparte mit dem begehrten «Laub» bedacht.

Karl Meli kann bestimmt als einer der erfolgreichsten Schwinger aller Zeiten bezeichnet werden.

 

Noldi Ehrensberger

Arnold Ehrensberger wurde 1954 in Alten bei Andelfingen geboren. Er absolvierte eine dreijährige Metzgerlehre. 1970 übernahmen die Eltern Ehrensberger das Winterthurer Ausflugsrestaurant Bruderhaus. In diesem Familienbetrieb arbeitete „NE“, wie ihn seine Freunde nennen, nach der Lehre als Haus-metzger.

Seine schwingerische Laufbahn begann er mit elf Jahren in der Jugendriege des Turnvereins Andelfingen, dem er heute noch in der Männerriege aktiv angehört. Bereits als Vierzehnjähriger gewann Noldi in seinem Jahrgang die Jungschwingertage in Niederurnen und Pfungen. Im selben Jahr, 1968, trat er dem Schwingklub Winterthur bei. 1971 nahm er erstmals am Zürcher Kantonal-Schwingfest in Rorbas teil, wo er sich im 5. Rang den ersten Schwingerkranz sicherte. An den Eidgenössischen Nationalturnertagen 1973 in Emmenbrücke und 1976 in Unterentfelden ging Noldi Ehrensberger als Sieger hervor. 1972 startete er zu den Schwingfesten auf eidgenössischer Ebene. Am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in La Chaux-de-Fonds lag er mit 74,75 Punkten einen halben Zähler unter der Kranzlimite. Zwei Jahre später, 1974 in Schwyz, platzierte sich Noldi im 9. Rang und sicherte sich den ersten eidgenössischen Schwingerkranz. 1977 in Basel qualifizierte sich Noldi Ehrensberger zusammen mit dem Rheintaler Peter Steiger für den Schlussgang, den er in überzeugender Manier gewann. Damit wurde er zum neuen Schwingerkönig erkoren. Ein prächtiges Jubiläumsgeschenk. Insgesamt kam Noldi Ehrensberger auf 69 Schwingerkränze, 33 Turnerkränze und 5 Kränze im Ringen. Mit der Teilnahme am Eidgenössischen Schwingfest 1983 in Langenthal, an dem er seinen vierten eidgenössischen Kranz erkämpfte, beendete Noldi seine schwingerische Aktiv-Laufbahn. Auch er amtete als Jungschwingerbetreuer und technischer Leiter des Schwingklubs Winterthur und erteilte unzählige Schwingkurse in der ganzen Schweiz. Bis heute stellt er sich bei den verschiedensten Anlässen immer wieder als OK-Mitglied zur Verfügung.

 

Eschenbergschwinget

Eine auf den 26. August 1903 anberaumte ausserordentliche Generalversammlung im Hotel «Adler» beschloss, am 30. August 1903 auf dem Hofe Eschenberg bei Herrn Elliker einen Jahresschwinget durchzuführen als Vorübung für das am 27. September 1903 in Chur stattfindende Nordostschweizer Schwingfest. Herr Elliker war dem Schwingklub weitgehend entgegengekommen, indem er auf eigene Kosten eine Musikgesellschaft engagierte. Um nach diesem Anlass wieder eine einigermassen ausgeglichene Abrechnung zu erhalten, wurde von den Besuchern eine Eintrittsgebühr von 30 Rappen erhoben. Ein allfälliger Überschuss sollte den Teilnehmern am Churer Schwingertag zugute kommen. 

Wohl eine der am schwächsten besuchten Versammlungen war die ausserordentliche vom 30. August 1904. Fünf Aktive und nur zwei Passive leisteten der Einladung des Vorstandes Folge. Dennoch wurde beschlossen, 1904 wiederum einen Jahresschwinget durchzuführen. Neben dem Schwingen kamen auch andere Disziplinen zur Austragung. Kugelwerfen (5 kg), zwei Würfe waren vorgesehen, der bessere galt; auch kamen Steinstossen, Sackgumpen und Klettern. Als Festmusik wurde die Stadtmusik Winterthur mit Direktor Kahlfeld bestimmt. Am Jahresschwinget 1905 wurde das Alphornblasen ebenfalls ins Programm aufgenommen.

Aus den Annalen ist herauszulesen, dass dieser Jahresschwinget mehr oder weniger regelmässig durchgeführt wurde. Zwischen 1915 und 1927 war meistens der Sporrer Austragungsort. Ab 1932 (ausgenommen 1945) fand das jährliche Kräftemessen wieder auf dem Eschenberg statt. 

1964 wurde von einem Klubmitglied eine grosszügige Vergabung in Form eines Wanderpreises gespendet, der dem jeweiligen Sieger abgegeben wird. DieseTradition wurde bis heute beibehalten. Nach einem dreimaligen Sieg darf der Wanderpreis behalten werden. 

Dank des guten Ergebnisses des vom Schwingklub Winterthur organisierten kantonaler Schwingertages und des Entgegenkommens der Stadt Winterthur konnte der Schwingplatz 1967 wesentlich vergrössert werden.

Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Schwingklubs Winterthur wurde der Eschenbergschwinget von 1977 ein Jubiläumsschwinget. Als OK-Präsient amtete Werner Schalcher. Ein Jahr später wurde mit dem Eschenberg-Wirt vereinbart, die Festwirtschaft in eigener Regie zu führen. Dies brachte einen ausserordentlichen Überschuss in die Klubkasse. 1978 wird die Einführung von Zinnbechern als Auszeichnung gutgeheissen. Nach sechs Bechern hat jeder Schwinger Anrecht auf einen Zinnteller. 

1987 verabschiedeten sich Bruno und Fane Beer nach Amerika. Damit endet auch die jahrelange Tätigkeit von Bruno Beer als Festwirt am Eschenbergschwinget. 1988 erlebte der neue Festwirt einen Alptraum. Bis auf das Bier war alles ausverkauft. 1997 konnte das Schwingfest erst im dritten Anlauf durchgeführt werden. Das erste Mal lag Schnee, am zweiten Datum regnete es wie aus Kübeln. 

Regelmässige Sieger: In den 60er- und 70er-Jahren wechselten sich Karl Meli und Noldi Ehrensberger als Sieger auf dem Eschenberg ab. In den 80er-Jahren kam noch Jörg Schneider dazu. Seit 1996 ist es Christian Vogel, Kindhausen, der den Wanderpreis mit schöner Regelmässigkeit nach Hause nehmen kann.

Der Eschenbergschwinget ist jedoch nicht nur ein sportlicher Anlass. Für die Klubmitglieder ist auch die jeweilige Organisation und das Richten und Aufräumen des Festplatzes mit Geschichten verbunden, die später noch jahrelang die Runde machen. Wie war das doch noch mit Enteneiern und Tannennadeln, mit Miggelis Appenzellerkäse oder mit dem Einsatz der Sägemehlwalze?