Rückblick Unspunnenschwingfest, der Winterthurer Samir Leuppi mit einer Top Leistung!

 

Christian Stucki (32) bezwingt seinen Verbandskollegen Curdin Orlik (24) im Schlussgang in extremis und sichert den Bernern den ersten Unspunnen-Sieg seit 30 Jahren.


Zwei Berner im Schlussgang. Da kann doch nichts mehr schiefgehen. Oder doch? Vor dem letzten Kampf die Hand reichend, ist die Ausgangslage für den Berner Teilverband ausgezeichnet. Stucki und Orlik beginnen verhalten, sie gehen keine Risiken ein. Schliesslich haben sie eine gute Viertelstunde Zeit für den entscheidenden Zug. Wenige Meter nebenan sitzt Joel Wicki im Rasen. Er wirkt äusserlich gelassen, hat die Beine gestreckt und erweckt den Eindruck, als rechne er überhaupt nicht damit, zum lachenden Dritten zu werden. Doch die Zeit zerrinnt, im Publikum macht sich Ungeduld breit. «Noch sechs Minuten», ruft der Kampfrichter Schmutz. Wicki kniet mittlerweile, die Haltung wirkt nicht mehr ganz so locker. Noch fünf Minuten.

Noch zwei Minuten. Jetzt gehen die Schlussgangteilnehmer «all in». Die Nervosität ist allenthalben spür- und sichtbar. 62 Sekunden vor Schluss liegen Stucki und Orlik im Sägemehl. Stucki hatte zum entscheidenden Schwung angesetzt. «Ich bin überwältigt – und am Ende», sagt Stucki.

Seinen wichtigsten Erfolg seit dem Sieg in Kilchberg 2008 musste sich der Lysser hart erarbeiten. Vor 15’400 Zuschauern durfte sich Stucki als Sieger feiern lassen und seinen Siegermuni Gottlieb entgegennehmen.

Aber auch der Winterthurer Samir Leuppi zeigte eine herausragende Leistung in Interlaken. Er wirkte ungemein explosiv. Im ersten Gang fehlte ihm gegen Matthias Aeschbacher zwar ein Rezept für den Sieg und musste sogar mit einem verlorenen Gang starten. Dies gab ihm aber den richtigen Power für die weiteren Gänge. Den zweiten, dritten und vierten Gang gegen die Gegner Samuel Dind, Christian Odermatt und den Eidgenössischen Kranz Schwinger Patrick Räbmatter konnte der Sennenschwinger Samir Leuppi auf spektakuläre Art für sich entscheiden. Alle warten gespannt, mit wem es Leuppi im fünften Gang zu tun bekommt. Der Platz-Speaker gab die Paarungen für den fünften Gang bekannt. Leuppi Samir gegen den starken Berner Jungathleten Käser Remo. Die beiden schenkten sich gar nichts. Angriff war angesagt. Nach acht Minuten war der Gang unentschieden, beide bekamen die Höchstnote neun für ihren gestellten Gang. Zum Abschluss drückte Samir den Eidgenossen Mario Thürig souverän mit der Höchstnote 10 ins Sägemehl. Die Ostschweizer Tribüne applaudierte und die grosse Fangemeinde von Samir Leuppi konnte sich fast nicht mehr beruhigen. Ein toller Tag für den 24-jährigen Athleten aus Winterthur. Er klassierte sich auf dem sehr guten Rang 4b mit der Punktezahl 57.00 und durfte sich auf der schönen Naturarena seinen Lebenspreis, das Rind Lamberta, überreichen lassen.

Nach vier Gängen war Schluss
Der Ossinger Beda Artzmann, ebenfalls vom Schwingklub Winterthur, musste derweil bei seiner Unspunnen-Premiere hartes Brot essen. Nach einer sehr erfolgreichen Saison qualifizierte sich der Zimmermann-Vorarbeiter für das Unspunnenschwingfest. Für ihn war das Fest nach vier Gängen leider vorbei. Beda hatte aber sehr gut gekämpft, ihm fehlte bei diesem Fest das gewisse Wettkampfglück.

Fabian Kindlimann vom Schwingklub Zürcher Oberland totalisierte 56,75 Punkte. Kindlimann gewann vier seiner sechs Kämpfe, wobei er sich dreimal die Höchstnote 10,00 notieren lassen konnte. Daneben verlor der Eidgenosse, der schon am Unspunnen 2011 einen Spitzenplatz belegt hatte, gegen den späteren Festsieger Christian Stucki sowie Kilian Wenger.

Der Unspunnen-Schwinget 2017 hat gezeigt, was die Mischung aus Sport, Tradition und Moderne ausmacht. Zum Bild des friedlichen Schwingfests gehört, dass die Athleten für die Zuschauer Stars zum Anfassen sind. Eine jede und ein jeder hat Zugriff auf die Athleten, bekommt zwischen Sägemehlring und Garderobe das gewünschte Autogramm und Foto.

Wer in Interlaken live dabei sein durfte, kann sicher bestätigen, dass das Schwingen zu den schönsten Sportarten gehört.